
Viele Patientinnen und Patienten mit einer fortgeschrittenen Arthrose leiden nicht nur an einem, sondern an beiden Hüft- oder Kniegelenken. Häufig stellt sich dann die entscheidende Frage:
Sollten beide Gelenke gleichzeitig operiert werden oder ist ein zweizeitiges Vorgehen sinnvoller?
Der sogenannte beidseitige Gelenkersatz in einer Operation wird in der modernen Endoprothetik immer wieder diskutiert. Während einige Studien Vorteile für ausgewählte Patientinnen und Patienten zeigen, entscheiden sich viele erfahrene Orthopäden in der Praxis bewusst für ein zweizeitiges Vorgehen – also zwei getrennte Operationen.
Gerade aus medizinischer Sicht und im Hinblick auf die Belastung für den Körper gibt es gute Gründe, die für eine Operation in zwei Schritten sprechen.
Beim sogenannten simultanen Gelenkersatz werden beide Hüften oder beide Knie in einer Operation durch Prothesen ersetzt.
Beim zweizeitigen Vorgehen hingegen erfolgt zunächst die Operation eines Gelenks. Nach einer ausreichenden Erholungsphase – meist nach einigen Wochen oder Monaten – wird das zweite Gelenk operiert.
Beide Verfahren werden in spezialisierten orthopädischen Zentren durchgeführt. Welche Methode geeignet ist, hängt immer von der individuellen Situation, dem Gesundheitszustand und den Beschwerden ab.
Eine beidseitige Operation kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein – insbesondere dann, wenn beide Gelenke gleichermaßen starke Schmerzen verursachen und den Alltag erheblich einschränken.
Ein möglicher Vorteil besteht darin, dass:
Gerade für berufstätige Patientinnen und Patienten kann dies auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, da sich die gesamte Behandlungszeit verkürzen kann.
Allerdings zeigt die Praxis, dass diese Vorteile differenziert betrachtet werden müssen.
Nach einer Gelenkoperation folgt in der Regel eine Anschlussheilbehandlung (AHB).
Bei einer einseitigen Hüftoperation erfolgt diese häufig ambulant: Nach wenigen Tagen Klinikaufenthalt kehren viele Patientinnen und Patienten zunächst nach Hause zurück, bevor eine strukturierte Rehabilitation beginnt.
Bei einer Knieoperation wird hingegen häufig eine stationäre Reha durchgeführt. Dabei fehlt oft eine wichtige Phase der Erholung zu Hause, in der Schwellung, Schmerzen und Entzündungen zurückgehen können.
Bei einer beidseitigen Operation ist in der Regel nur eine stationäre Rehabilitation möglich. Gleichzeitig entsteht hier ein organisatorischer Aspekt, der häufig unterschätzt wird: In Deutschland wird eine Reha-Maßnahme meist für eine einzelne Operation bewilligt.
Bei zwei gleichzeitig operierten Gelenken benötigen Patientinnen und Patienten jedoch häufig:
Nicht alle Rehakliniken sind auf diese Situation vorbereitet, was im Vorfeld unbedingt geklärt werden sollte.
Trotz möglicher Vorteile sprechen mehrere medizinische Gründe für ein zweizeitiges Vorgehen.
Eine Hüft- oder Knieoperation ist ein größerer Eingriff. Der Körper muss sich nach der Operation von verschiedenen Belastungen erholen:
Werden zwei Gelenke gleichzeitig operiert, ist diese Belastung deutlich höher. Gerade Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen oder eingeschränkter Belastbarkeit profitieren davon, wenn sich der Körper zwischen zwei Eingriffen erholen kann.
Die unmittelbare Phase nach einer Gelenkoperation wird häufig unterschätzt. In den ersten Tagen treten nicht selten auf:
Nach einer einseitigen Operation sind viele Patientinnen und Patienten bereits am ersten Tag wieder mobil, können mit Unterstützung gehen und gewinnen schnell an Selbstständigkeit.
Wird hingegen beidseitig operiert, fehlt das „stärkere“ Bein zur Unterstützung – die Mobilisation ist deutlich anspruchsvoller.
Die Rehabilitation ist ein entscheidender Bestandteil der Behandlung. Dabei müssen Patientinnen und Patienten:
Nach einer einseitigen Operation kann das gesunde Bein in der Anfangsphase unterstützen.
Bei einer beidseitigen Operation fehlt diese Unterstützung vollständig. Dadurch wird die Rehabilitation häufig:
Komplikationen nach einem Gelenkersatz sind selten, können aber auftreten – beispielsweise:
Beim zweizeitigen Vorgehen ist im Falle einer Komplikation nur ein Gelenk betroffen.
Bei einer gleichzeitigen Operation können im ungünstigen Fall beide Gelenke betroffen sein, was die Behandlung deutlich komplexer macht.
In ausgewählten Fällen kann ein simultaner Gelenkersatz dennoch eine gute Option sein. Voraussetzungen sind in der Regel:
Entscheidend ist immer eine sorgfältige individuelle Auswahl.
Der Gedanke, beide Gelenke in einer Operation ersetzen zu lassen, ist verständlich und kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Dennoch stellt eine solche Operation eine erhebliche Belastung für den Körper dar.
Viele orthopädische Spezialisten bevorzugen daher ein zweizeitiges Vorgehen, da es dem Körper ermöglicht, sich zwischen den Eingriffen zu erholen und die Rehabilitation häufig besser zu bewältigen ist.
Die wichtigste Regel lautet daher:
Die Entscheidung für eine einzeitige oder zweizeitige Operation sollte immer individuell und gemeinsam mit einem erfahrenen Orthopäden getroffen werden.
Wenn Sie unter Arthrose in beiden Gelenken leiden und unsicher sind, welche Behandlungsstrategie für Sie die richtige ist, kann eine persönliche orthopädische Beratung entscheidend sein.
Gemeinsam lässt sich die für Sie sicherste und effektivste Therapie planen – abgestimmt auf Ihre individuelle Situation und Ihre Lebensziele.