
Viele Menschen mit Kniearthrose leiden unter chronischen Schmerzen, eingeschränkter Beweglichkeit und zunehmender Belastungsintoleranz im Alltag. Häufig wird in dieser Situation eine Arthroskopie am Knie (Gelenkspiegelung) empfohlen.
Dabei entfernen Ärztinnen und Ärzte degenerierte Meniskusteile, Knorpelfragmente oder knöcherne Anbauten (Osteophyten), die möglicherweise zu Beschwerden beitragen.
Doch die entscheidende Frage lautet:
Kann eine Arthroskopie bei Kniearthrose langfristig helfen – oder sogar eine spätere Knieprothese vermeiden?
Eine große Langzeitstudie aus Kanada liefert hierzu wichtige Erkenntnisse.
Forschende aus London, Ontario (Kanada) untersuchten in einer randomisierten kontrollierten Studie insgesamt 178 Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose.
Die Nachbeobachtungszeit betrug bis zu 20 Jahre (Median 14 Jahre).
Die Teilnehmenden wurden in zwei Gruppen eingeteilt:
Gruppe 1
Gruppe 2
Alle Teilnehmer erhielten zusätzlich identische nichtoperative Therapien, darunter:
Wichtig: Patienten mit traumatischen Meniskusrissen wurden bewusst ausgeschlossen, da diese medizinisch anders zu bewerten sind.
Das zentrale Ziel der Studie war die Frage:
Wie häufig benötigen Patientinnen und Patienten später eine Knieprothese (Knie-Totalendoprothese, Knie-TEP)?
Die Ergebnisse der Langzeitbeobachtung zeigen:
Die Arthroskopie hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer späteren Knieprothese.
Die Zahlen im Überblick:
ZeitraumArthroskopieOhne Arthroskopienach 5 Jahren10 % Knieprothese9 % Knieprothesenach 10 Jahren23 % Knieprothese21 % Knieprotheseinsgesamt34 % Knieprothese42 % Knieprothese
Die statistische Analyse ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen.
Besonders bemerkenswert:
Rund 80 % der Patientinnen und Patienten benötigten auch nach zehn Jahren noch keine Knieprothese – unabhängig davon, ob sie arthroskopiert wurden oder nicht.
Der entscheidende Einflussfaktor für eine spätere Knieprothese war nicht die Arthroskopie, sondern der Schweregrad der Arthrose.
Patienten mit einem höheren Kellgren-Lawrence-Grad (>2) hatten etwa das doppelte Risiko, im Verlauf eine Knieprothese zu benötigen.
Bereits frühere Analysen derselben Patientengruppe zeigten:
Diese Ergebnisse wurden innerhalb von zwei Jahren nach dem Eingriff beobachtet.
Die aktuelle Studienlage deutet zunehmend darauf hin:
Eine Arthroskopie bei degenerativer Kniearthrose kann eine spätere Knieprothese in der Regel nicht verhindern oder deutlich hinauszögern.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Arthroskopie grundsätzlich sinnlos ist.
In bestimmten Situationen kann sie weiterhin sinnvoll sein, beispielsweise bei:
Eine sorgfältige individuelle Diagnostik und Beratung ist daher entscheidend.
Die Langzeitstudie zeigt wichtige Erkenntnisse für Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose:
Studien zeigen, dass eine Arthroskopie bei degenerativer Kniearthrose häufig keinen langfristigen zusätzlichen Nutzen bei Schmerzen oder Funktion bringt.
Nach aktueller Studienlage verzögert eine Arthroskopie den Zeitpunkt einer Knieprothese meist nicht wesentlich.
Eine Arthroskopie kann sinnvoll sein bei:
Bei reiner Arthrose ohne mechanische Symptome ist der Nutzen häufig begrenzt
Eine Knieprothese kommt meist in Betracht, wenn:
Eine individuelle Beratung durch einen Kniespezialisten ist entscheidend.
Literatur:
Birmingham TB, Primeau CA, Shariff SZ, et al. Incidence of Total Knee Arthroplasty After Arthroscopic Surgery for Knee Osteoarthritis: A Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2024;7(4):e246578. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.6578