Schuppenflechte - Booster für Arthritis?

Seit über 20 Jahren ist der Zusammenhang zwischen Psoriasis (= Schuppenflechte) und Gelenk-arthritischen Erkrankungen bekannt. Bei leicht ansteigender Tendenz sind immerhin 2% der Bevölkerung von Psoriasis-Arthritis, der Gelenk-Variante der Psoriasis (kurz PsA) betroffen. Meist tritt die Krankheit gleichermaßen zwischen den Geschlechtern in der dritten bis vierten Lebensdekade, etwa 10 Jahre nach Beginn des Hautbefalls auf. Und obwohl die Schuppenflechte auch unter Dermatologen häufig als eine reine Hauterkrankung wahrgenommen wird, ist der Anteil derjenigen, die bei einer diagnostizierten Schuppenflechte an einer Gelenkbeteiligung erkrankt sind, nicht von der Hand zu weisen. Bei einer Studie wurden 1.511 an Schuppenflechte erkrankte Patientinnen und Patienten untersucht und es stellte sich heraus, dass davon 20,8 % eine Gelenkbeteiligung in Form einer Psoriasis-Arthritis aufwiesen. Bei der Mehrzahl der Probandinnen und Probanden, nämlich bei 85%, war die Krankheit zuvor unerkannt geblieben; dabei litten 95% an eine aktive Arthritis, 53% hatten mehr als vier entzündete Gelenke und 32% eine Arthritis an mehr als 5 Gelenken.

Deutlich erkennbare Formen der Gelenkbeteiligung bei Schuppenflechte sind neben der Entzündung der Gelenke an sich auch die Entzündung der Insertionsstellen von Sehnen, Bändern und Gelenkkapseln – häufig betroffen sind hierbei die Achillessehne und die Fußsohle (Plantarfaszie) – zudem starke Veränderungen an den Fingern und Zehen, die sich als sogenannte „Wurstfinger oder -zehen“ bei rund 1/3 der Patientinnen und Patienten als eine typische Form der Psoriasis-Arthritis abzeichnet.

Ebenso manifestiert sich die Psoriasis-Arthritis durch den Befall der Wirbelsäule, der Spondyloarthritis. Hiermit sind die kleinen Gelenke an der Wirbelsäule gemeint. Liegt eine Schuppenflechte vor, sollte immer eine mögliche Beteiligung des Achsenskeletts bedacht werden. Zu Beginn manifestiert sich der axiale Befall an den Iliosakralgelenken (ISG). Erst im weiteren Verlauf ist aufsteigend auch die Wirbelsäule betroffen. Ein typisches Symptom im frühen Verlauf der axialen Beteiligung ist der „entzündliche Rückenschmerz“, meist an der Lendenwirbelsäule. Diese Schmerzsymptomatik verursacht oftmals schlaflose Nächte, die Patientinnen und Patienten zum Aufstehen und Umhergehen zwingt. Ein frühes Zeichen einer axialen Spondyloarthritis ist die stark eingeschränkte Seitneigung der Lendenwirbelsäule (LWS). Ein MRT kann zur Früherkennung führen und eine Therapie, die das Fortschreiten der Krankheit hemmt, entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf sein.

Während das Labor zur Diagnostik der Psoriasis-Arthritis nur wenig beitragen kann, gibt es an der Wirbelsäule und den peripheren Gelenken Veränderungen, die allerdings erst in einem fortgeschrittenen Stadium und somit spät erkennbar sind. Der Krankheitsverlauf der Psoriasis-Arthritis ist sehr unterschiedlich und im Einzelfall auch nicht vorhersehbar. Weil aber die eintretenden Destruktionen irreversibel sind und zwischenzeitlich effektive und stark erweiterte Therapien die Veränderungen nicht nur aufhalten, sondern mitunter sogar verhindern können, ist nicht nur die frühzeitige Erkennung und Diagnosestellung enorm wichtig, sondern auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Orthopäden und Dermatologen anzustreben.

Daher gilt es, auf die typischen Symptome der Gelenkbeteiligungen bei Schuppenflechte zu achten und nach begleitenden Erkrankungen zu suchen. Dazu zählen neben der axialen Spondyloarthritis u.a. auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Da die Behandlungsmethoden der Psoriasis-Arthritis heutzutage exzellent sind, lohnt sich eine frühe Diagnose, um spätere Schäden zu verhindern.

Die Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung findet sich nicht nur an Fingern und Zehen, sondern auch an den großen Gelenken, und hier insbesondere den Knie- und Hüftgelenken. Die Beschwerden entsprechen einem zunehmenden Gelenkverschleiß und können sehr wechselhaft sein. Typisch sind auch Beschwerden, die sich mit einer deutlichen Morgensteifigkeit äußern, die im Tagesverlauf nachlassen. Anfangs zeigen sich nur geringe Funktionsstörungen, die im Alltag wenig Probleme machen, dann aber zunehmen und zu erheblichen Bewegungseinschränkungen führen können. Um die Diagnose zu stellen, sind im Frühstadium häufig eine MRT-Diagnostik notwendig und im fortgeschrittenen Stadium eine Röntgenuntersuchung ausreichend.

Die Behandlung der Gelenkerkrankung sollte zunächst einer „normalen“ Behandlung, wie der bei Gelenkverschleiß und/oder Arthrose entsprechen. Voraussetzung ist hier natürlich immer die optimale Therapie der Grunderkrankungen. Inwieweit diese das Voranschreiten einer Gelenkbeteiligung beeinflusst, ist noch nicht abschließend geklärt, gilt aber als wichtigster Faktor.

Sollten die konservativ-funktionellen Therapien nicht mehr ausreichen, um die Funktion des Kniegelenks wieder vollkommen herzustellen und auch Injektionen keine Besserung der Beschwerde herbeiführen, ist ein Gelenkersatz bzw. ein Oberflächenersatz am Kniegelenk notwendig.

Auch im Bereich des Hüftgelenks ist es sehr wichtig zu wissen, dass bei Vorliegen einer Gelenkerkrankung bei Schuppenflechte die Beschwerden in der Regel ausstrahlende Schmerzen bis zum Kniegelenk und zudem gleichseitige Rückenschmerzen auslösen können. Auch hier gilt, je früher die Diagnosestellung, desto wirksamer die therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. Im äußersten Fall, wenn keine Therapiemaßnahme mehr greift, um den Patientinnen und Patienten wieder eine schmerzfreie Bewegung zu ermöglichen, ist eine minimalinvasive Hüft-Operation und der Gelenkersatz durch die Implantation einer Kurzschaftprothese manchmal die bessere Lösung.

Da oftmals auch junge Patientinnen und Patienten von einer Psoriasis-Arthritis betroffen sein können, ist eine optimale Versorgung maßgeblich. Hier sollten die neuesten minimalinvasive OP-Techniken in Kombination von modernen Kurzschaftimplantaten zur Anwendung kommen, um eine möglichst lange Haltbarkeit zu erreichen. Die Kurzschaftimplantate ermöglichen eine sehr viel bessere Anpassung an die natürliche Gelenkgeometrie und eine natürlichere Krafteinleitung in den Knochen. Zudem ist ein minimalinvasives Operieren tatsächlich erst mit diesen kleinen Implantaten optimal möglich. Um eine lange Haltbarkeit zu gewährleisten, ist auf ausreichende Bewegung zu achten und, wie bei allen anderen Patientinnen und Patienten, wird eine sportliche Betätigung von den Fachgesellschaften empfohlen.

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